Helden? Oder auch nicht

Hände, Alte, Alter, Ältere Menschen

 

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, weshalb ich Euch einfach davon erzählen möchte.

Während des Shutdowns  wurden wir Pflegekräfte und auch andere Helfer in Kliniken, bei der Feuerwehr und Polizei, ja sogar im Supermarkt beklatscht etc. Viele haben sich geehrt gefühlt, einige hatten Hoffnung, dass man nun endlich erkennt, was wir täglich in unseren Jobs für eine Leistung bringen und wir tun das wirklich gerne.

Ehrlich gesagt, traute ich der ganzen Sache nicht und ich sollte leider recht behalten. Mir geht es heute nicht darum, zu erklären, dass Corona noch nicht vorbei ist, sondern um die ganzen Reden, was uns denn für unsere Arbeit zustehe und dass wir doch endlich gerechte Bezahlung bekommen sollten. Es kamen unendlich viele zustimmende Laute, was einigen Kollegen Hoffnung gab. Mir ehrlich gesagt nicht. Mittlerweile glaube ich , was ich sehe. Und versprechen gab es in der Vergangenheit schon genügend, die nicht gehalten wurden.

Nun leben und arbeiten wir schon wieder einige Wochen im Lockdown, obwohl wir Helfer ja die ganze Zeit im Dienst waren, kein Homeoffice und kein gestöhne, weil die Kinder mal wieder Langeweile hatten. Unsere Mütter und Väter haben das noch neben dem arbeiten in der Krise bewältigen müssen, also genauso wie immer. Nur bisher ist das nie jemanden aufgefallen, wir waren irgendwie unsichtbar. Erst seit der Corona Krise spricht man über uns, oder besser gesagt man sprach über uns. Denn nachdem die Politik sich auf einmaliges  Coronahilfegeld geeinigt hatte und dies allen die im Dienst waren ausgezahlt wurde, ist Funkstille angesagt, wir sind wieder unsichtbar. Nicht falsch verstehen. Klar freut man sich über etwas mehr Geld, wer tut das nicht, auch wenn es einmalig ist. Aber das ist nicht das, was ich mir von Deutschland erhoffe, obwohl ich da die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben habe. Was ich mir wünsche, ist Anerkennung in Form von Personal, aber darauf kann ich wohl waren, bis ich selbst Pflegebedürftig werde und darüber hinaus.

Warum noch mehr Personal, fragt Ihr Euch. Das will ich Euch gerne erzählen.

Gehen wir mal von einem ganz normalen Tag aus, ob ein Werktag , Wochenende oder Feiertag ist da unrelevant. Denn gearbeitet wird bei uns ja immer.

Um 4:30 klingelt der Wecker, das ist definitiv nicht meine Uhrzeit zum aufstehen, aber was solls. Die Kollegen verlassen sich immerhin darauf, dass ich komme. Aber ohne 2 starke schwarze Kaffee bin ich nicht zu gebrauchen. Gegen 6 Uhr gibts dann erstmal Übergabe mit der Nachtschicht, was so los war und wir vorbereitet sind, was da so kommen mag. Nicht selten hat sich  wieder mal jemand Krank gemeldet, was einem gerade noch gefehlt hat.

.Ab 6:30 gehts dann los, denn die ersten Bewohner klingeln immerhin schon seit ein paar Min, als hätten sie einen Termin. Wer glaubt alte Leute schlafen lange, irrt gewaltig. Nun müssen wir uns aber sputen, denn immerhin gibt es nur 2 Pflegekräfte für ca.in unserem Fall 22 Bewohner, wovon 1 Kollege ausgeliehen ist , da ja einer Krank ist.

Alle wollen gewaschen, teils geduscht und gefüttert werden, einige brauchen eine neue Windel und wieder andere einen frischen Verband und ihre Medikamente. Auch vorne anfangen und hinten aufhören ist nicht drin, da immer zwischendurch jemand die Klingel entdeckt, um zu fragen wie spät es ist, oder welcher Tag denn sei. Also nichts was gerade wichtig wäre, aber auch das nimmt man gelassen so hin und beantwortet ruhig die Fragen, um dann wieder zum nächsten Zimmer zu hechten, um weiter zu pflegen. Wenn dann gegen 11 endlich alle Versorgt sind, hat man vielleicht kurz Zeit für einen schnellen Kaffee, andere für eine Kippe, denn die Dokumentation und Bilanzierung warten schon. Auch der Arzt steht schon zur Visite parat, oder das Telefon klingelt nonstop. Wenn das Mittagessen dann endlich serviert wird, helfen wieder alle beim füttern und bringen einzelne ins Zimmer zum Mittagsschlaf. Unvorhergesehene Dinge sind natürlich nicht eingeplant und Pause sowieso nicht. Ein durchatmen gibt es eigentlich erst, wenn es 14:00 ist und die Uhr Feierabend ruft. Alle verabschieden sich bis zum nächsten Tag.

Nicht, dass mir das alles was ausmacht. Man gewöhnt sich dran und ich mag meine Arbeit sehr, aber wo sind die Versprechen der Politik. Warum erkennt hier in Deutschland keiner, was wirklich von Nöten ist. Mit Geld erkauft man sich schweigen, dass es den Eindruck hat, alle wären zufrieden und die Politik hätte etwas getan. Leider falsch. In Zukunft wird dies noch viel schlimmer werden, wir sollten Angst haben in 20, 30 oder mehr Jahren selber alt zu sein. Wer versorgt uns dann noch, oder geht man dann besser ins Ausland, wo dies bisher besser funktioniert.

In der Krise als Held beklatscht und nun vom System wieder fallen gelassen.

Ich sage nur Armes Deutschland.

4 Replies to “Helden? Oder auch nicht”

  1. Traurig aber wahr und du hast es sehr gut in Zeilen gefasst.
    Ich komme ja auch aus dem Betreuungs – Pflegedienst . Wir hatten sogar eine Zeit lang ein Projekt, wo Politiker bei uns einen Tag lang hospitierten.
    Mehr als dass sie den routinierten Alltag auseinander brachten, sie sich rühmen konnten, dass sie ja so toll sind, geschah nichts – was ja auch zu erwarten war.

    Wie ich damals mit dem Beruf anfing, meinte meine Chefin mal…
    Merke dir eines, es gibt keinen unsozialeren Beruf, wie einen Sozialberuf.

    Heute gebe ich ihr absolut recht.

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